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Politiker raus aus der Politik!

Die Mehrheit der Hamburger hat sich gegen Olympia entschieden. Bereits 2013 hatten die Münchner eine Bewerbung für die Winterspiele abgelehnt. Und Hamburg war von den Sportverbandschefs auch deswegen auserwählt worden, weil sie in Berlin keine Chance auf Erfolg bei einer Bürgerabstimmung sahen. Nun wird über die Gründe für die Ablehnung der Bürger spekuliert. Dabei gibt es soviele gute Gründe eine Olympiabewerbung abzulehnen, dass es schon professionelle Politiker braucht, um eine Bewerbung überhaupt ins Auge zu fassen.

Wurde nicht jahrelang gepredigt, wir müssten alle sparen und den Gürtel enger schnallen? Und dann plötzlich Milliarden lockermachen für ein sportliches Happening? Darauf kann doch nur ein Politiker kommen. In der Stadt gibt es keine günstige Wohnung mehr, und die Politik will Arenen bauen? In den Schulen unserer Kinder bröckelt der Putz, und die Politiker wollen Milliarden für Olympia ausgeben?

Wir brauchen mehr direkte Demokratie. Politiker müssen so weit wie möglich aus der Politik entfernt werden. Denn die werden auf Schritt und Tritt von Lobbyisten bequatscht und umgarnt, so dass sie die Probleme der Menschen aus den Augen verlieren, um es mal nett zu formulieren.

 

Wer hasst Schwaben?

Traditionell die Badener. Als Badener, der seit 15 Jahren in Berlin lebt, finde ich es deswegen äußerst lustig, dass die Schaben Schwaben jetzt auch in Berlin gehasst werden. Nur immer feste druff!

Andererseits ist mir klar, dass sich die Berliner Abneigung gegen Yuppie-Schwaben gegen alle Zuzügler aus dem Südwesten Deutschlands richtet, und auch Badener und Pfälzer betrifft, genau wie Franken, Hessen und Bayern. Der gemeine Berliner kann einen Badener sowieso nicht von einem Schwaben unterscheiden. Die Frage ist also, warum gerade die Schwaben stellvertretend für den ganzen Südwesten herausgepickt wurden. Das muss an Eigenschaften liegen, die den Schwaben zugeschrieben werden, aber den Badenern und Bayern nicht. Diese Eigenschaften sind natürlich die folgenden:

  • Schwaben sind fleißig und zielstrebig: „Schaffe, schaffe, Häusle bauen.“
  • Schwaben sind sparsam: siehe die notorische „schwäbische Hausfrau“.
  • Schwaben sind ordentlich: Kehrwoche!
  • Schwaben sind ideenreich: das ganze Ländle ist voller kleiner Firmen, die alle in ihrem Spezialgebiet Weltmarktführer sind.

Somit können wir die Eingangsfrage beantworten: Schwaben werden gehasst von faulen, abgebrannten und einfallslosen Messis ohne Plan für die Zukunft. Die schmollen, weil sie beim Rennen um die schönsten Eigentumswohnungen in Prenzlauer Berg leer ausgegangen sind. Aber warum ärgert ihr euch? Im Eigentumswohnungsparadies Prenzlauer Berg, wo um 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, wollt ihr doch sowieso nicht wohnen. Zieht halt weiter nach Pankow oder am Besten gleich nach Brandenburg. Legt zusammen und kauft euch da ein Dorf für einen symbolischen Euro und macht daraus ein Künstler- und Musikantenparadies. Wer dann aus dem Prenzlauer Berg auf eure wilden Partys kommen will, muss Eintritt zahlen. Irgendwann wollen die Schwaben dann alle in euer Dorf ziehen, weil es ihnen im Prenzlauer Berg zu öde geworden ist. Das ist eure Chance: Jeder von euch bietet einem Schwaben an, sein Dorfhäuschen mit einer Eigentumswohnung im Prenzlauer Berg zu tauschen. Und schwupps! seid ihr wieder im Prenzlberg und die draußen auf dem Dorf, wo sie hingehören.

 

Das letzte Hemd

Willy D. ist Tischler. Er ging mit 15 in die Lehre und arbeitete 45 Jahre als Geselle in mehreren Betrieben. Mit 60 wurde er arbeitslos und fand keine Stelle mehr. Jetzt ist er 63 und lebt seit gut einem Jahr von Hartz IV. Sein Gespartes ist bis auf das erlaubte Schönvermögen in Höhe von 9.300 Euro aufgebraucht. Mit seiner Gesundheit steht es nicht zum Besten. Es tröstet ihn, dass seine Tochter das Ersparte erben wird, wenn er stirbt. Die könnte das Geld auch gut gebrauchen, als alleinerziehende Mutter mit Halbtagsstelle.

Soll man ihm sagen, dass seine Tochter nichts kriegen wird? Wenn Hartz-IV-Empfänger sterben, müssen ihre Kinder vom Erbe nämlich erstmal die Hartz-IV-Bezüge (inklusive der Beiträge zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung) der letzten 10 Jahre zurückzahlen. Klar, wozu brauchen tote Hartz-IV-Empfänger ein Schonvermögen? Das letzte Hemd hat nun mal keine Taschen!

Aber es gibt auch gute Nachrichten, besonders für Firmenerben:

Die in der Wirtschaft umstrittene Freigrenze bis zu einer „Bedürfnisprüfung“ soll nun auf 26 Millionen Euro je Erbfall angehoben werden – statt der zunächst geplanten 20 Millionen Euro. Bei Familienunternehmen mit Kapitalbindungen liegt diese Schwelle jetzt bei 52 Millionen Euro statt 40 Millionen Euro.

Danke, SPD!

Vor einiger Zeit fiel mir ein Foto in die Hände, das mich von oben zeigt. Ich war schockiert! Was ist denn das? Wie sehe ich denn aus? Da guckt ja die Kopfhaut raus! Im Bad begutachtete ich mit Hilfe von zwei Spiegeln das Desaster. Noch war es keine kahle Stelle, aber die Haare wurden oben in der Mitte ziemlich dünn. Und ich stand jeden Morgen vorm Spiegel und merkte nichts.
Ich verdrängte es zunächst. Die Lösung: bloß nicht hinkucken! Alles wird gut! Als gewiefter Prokrastinierer lautete meine Strategie: jedes Problem löst sich von allein, wenn man es nur lange genug ignoriert.
Bald darauf fragte die Friseurin, ob ich im Urlaub in den Süden fahre und riet mir, einen Hut zu tragen, um einen Sonnenbrand auf der Kopfhaut zu vermeiden.
Neulich beim Picknick kremt die Freundin die Glatze ihres Mannes mit Sonnencreme ein. Ich betaste meinen Kopf und verkünde: „Ich glaub, ich brauch auch was von der Sonnencreme“, und denke: „Bitte, bitte, sag: ‚Du brauchst das doch nicht!'“ Stattdessen reicht sie mir wortlos die Tube.
Da bricht eine Welt zusammen! Was tun? Was hilft? Vielleicht kann man durch regelmäßiges Ohrenwackeln die Durchblutung der Kopfhaut erhöhen? (Notiz an mich: Gute Idee! Schaden kann es ja nicht!)
Mein Vater erzählt mir, es gebe jetzt ein Mittel, das den Ausfall zumindest hinauszögern könne, den Namen kennt er aber nicht, für ihn sei es eh zu spät. Nichts wie in die Apotheke. Der Apotheker erscheint – er hat eine Halbglatze. „Haben Sie etwas gegen Haarausfall?“ frage ich und denke: „Offensichtlich ja wohl nicht.“ Was für eine Farce.
Das Mittel heißt „Minoxidil“. Die Liste der Nebenwirkungen ist viel schrecklicher als die schrecklichste Glatze. Dann lieber eine Vin-Diesel-Frisur. Wo ist das Haarschneidegerät?
Haarschneidegerät

Hier ist es ja.

Freitag, 29. Mai
Ach geht’s mir schlecht! Seit einer Woche traue ich mich nicht mehr aus dem Haus. Ich sehe überall islamistische Terroristen, die mich in die Luft sprengen wollen. Ernähre mich nur noch von Leitungswasser und dem Lieferservice.
Montag, 1. Juni
Heute habe ich es zum Psychiater geschafft. Die niederschmetternde Diagnose: Islamophobie! Ich hatte es befürchtet! Der Arzt rät mir zum Umzug, Mecklenburg oder vielleicht Dresden. Als ich ablehne, verschreibt er mir Haloperidol, ein starkes Neuroleptikum gegen Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
Dienstag, 2. Juni
Das Haloperidol ist Mist! Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, aber die Islamisten sind noch da. Ich setze es ab und laufe immer an der Wand lang wieder zum Psychiater. Diesmal überweist er mich an einen Hypnotiseur. Der pflanzt mir ins Gehirn, dass die Niqab- und Kopftuchträgerinnen alle katholische Nonnen sind, und die Fusselbärte Priester und Kardinäle. Auf der Straße merke ich: es wirkt! Ich laufe die Turmstraße entlang und komme mir vor wie im Vatikan. Toll! Meine Heilung feiere ich mit einer großen Portion Lahmacun. Die Köchin wundert sich zwar über mein „Danke, Schwester!“, sagt aber nichts. Wahrscheinlich hält sie mich für einen coolen HipHopper.

Reisebericht aus Prag

Touristenmassen Karlsbrücke

Touristenmassen vor der Karlsbrücke

In Prag gibt es enorme Massen von Touristen zu bestaunen. An keiner anderen Stelle Europas ist die Touristendichte höher als auf dem Altstädter Ring, der Karlsbrücke oder im Goldenen Gässchen. Als ich mich vergangenen Freitag (verlängertes Wochenende nach Himmelfahrts-Donnerstag) von der Touristenmenge über den Altstädter Ring schieben ließ, dachte ich wehmütig an die vergleichsweise leeren Bahnsteige der Berliner U9 im morgendlichen Berufsverkehr wenn die S-Bahn streikt. Wenigstens haben die Touristen in Prag Niveau: es waren kaum Selfie-Sticks zu sehen. Was aber wohl daran lag, dass es für deren Gebrauch einfach zu voll war.

Touristengedränge Altstädter Ring

Touristengedränge auf dem Altstädter Ring

Die ollen Wahrzeichen der Prager Altstadt sollte man daher links liegen lassen. Viel aufschlussreicher ist der Anblick der Prachtbauten der sozialistischen Moderne bzw. der kapitalistischen Postmoderne. Zum Beispiel: Was macht man, wenn da zwei gegenüber voneinander liegende Berge sind? Na klar: man baut eine Brücke vom einen Berg zum anderen:
Brücke über Prag

Viele Prager müssen unter der Brücke wohnen

Spektakulär ist der Blick auf den Prager Fernsehturm. Der sieht dermaßen futuristisch aus, dass man sich unwillkürlich vorstellt, wie irgendwo da oben gerade Luke Skywalker und Darth Vader mit ihren Lichtschwertern gegeneinander kämpfen.
Fernsehturm Žižkov

Fernsehturm Žižkov

Wenn man die sozialistische Architektur fertig bewundert hat, sollte man auf jeden Fall eine typisch tschechische Leckerei probieren: eine süße quarkhaltige Nachspeise namens Pribináček. Die gibt’s in jedem Supermarkt und Spätkauf für ca. 15 Kronen und schmeckt unfassbar gut!
Pribináček

Typisch tschechisches Essen: Pribináček (Mjam!)

Was es in Prag nicht gibt, sind Fahrradfahrer. Das hat drei triftige Gründe. Erstens gibt es keine Fahrradwege. Zweitens heizen die Prager Autofahrer mit so viel Karacho durch die engen Gassen, dass die Überlebensspanne eines Fahrradfahrers nahe Null liegt. Und drittens ist Prag einfach zu bergig. Ganz ehrlich: als Fußgänger und Autofahrer vermisst man die Fahrradfahrer überhaupt nicht.

Vergangenen Samstag machte ich mit meiner kleinen Tochter einen Fahrradausflug in den Berliner Tiergarten. Als wir nichtsahnend am sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni vorbeikamen, spielten sich dort unglaubliche Szenen ab. Mitten in Berlin, vor den Augen meiner kleinen Tochter feierten hunderte von Russen einen militaristischen Gedenktag, den „9. Mai“, oder auch „Tag des Sieges“. Etliche dieser Leute hatten sich in militärische Uniformen gezwängt oder T-Shirts mit dem Konterfei des Kriegstreibers Putin übergestreift. Viele schwenkten Fahnen der sowjetischen und der russischen Diktatur. Dazu tranken sie in aller Öffentlichkeit harten Alkohol und sangen frivole und demokratiefeindliche Lieder (vermute ich, natürlich spreche ich kein Russisch, aber was sollen Putin-Anhänger denn bitteschön sonst für Lieder singen?).

9. Mai am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten

Die schrecklichen „Nachtwölfe“, eine kommunistische Motorrad-Gang, bestehend aus Killermutanten aus den radioaktiven Ruinen Tschernobyls, vor denen die deutschen Medien seit Wochen vergeblich gewarnt hatten, waren auch da. Obwohl viele kleine Kinder herumliefen, fraßen sie glücklicherweise keins davon auf.

Die Motorräder der

Verabscheuungswürdig auch die Indoktrination der Jugend. Der Drill an schweren Artilleriegeschützen ist in Putins Russland anscheinend schon im Kindergarten Pflicht:

Schon die Kleinsten werden an Kanonen gedrillt!

Unverschämt auch die gesalzenen Preise des Brezelverkäufers. 3 Euro für eine Brezel! So viel Geld hatte ich nämlich nicht mehr dabei, und meine kleine Tochter weinte bitterlich, weil sie keine Brezel bekam. Das werde ich Putin nie verzeihen!

Als dann fahnenschwenkende Russen die beiden Panzer bestiegen, schnappte ich meine Tochter und wir fuhren so schnell nach Hause wie es das kleine Fahrrad meiner armen kleinen Tochter hergab und verbarrikadierten uns im Keller. Da saßen wir nun, im gleichen Keller, in dem schon unsere Vorvorvormieter 1945 saßen und sich vor den Russen versteckten. Der SPIEGEL hatte recht: „Stoppt Putin jetzt!“ Warum bloß hat niemand auf ihn gehört? Jetzt ist es zu spät!